Die Entstehung des Rhodesian Ridgebacks

Deutscher Rhodesian Ridgeback ClubUm die Entstehung der Zucht des Rhodesian Ridgeback, vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Etablierung des Rassestandards im den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts (1922 erstellt, 1926 von der SAKU anerkannt), ranken sich manche Mythen und Legenden, die sicher auch zur Faszination der Rasse beitragen, wenngleich nicht alles wahrscheinlich erscheint. Zu dem was wir zu wissen annehmen dürfen: 1875 brachte der  britische Missionar Charles Helm zwei Hunde der Einheimischen von Swellendam ins Matabele Land mit.

Diese Hunde waren den Beschreibungen nach eher unattraktive, schakalänhliche Hunde mit großem jagdlichen Geschick und Anpassung an die örtlichen Bedingungen und Gefahren.

Cornelius van Rooyen, ein passionierter Großwildjäger dieser Zeit, der immer mit einer großen Meute Jagdhunde jagte, verpaarte diese Hunde mit seinen eigenen Hunden, um so speziell für die Löwenjagd und anderes wehrhaftes Großwild, einen Hundetyp zu kreieren, der diesen speziellen Anforderungen gerecht wurde. Eben keinen Hund, der größenwahnsinnig genug war einen Löwen anzugreifen, sondern der smart, clever und schnell genug war, den Löwen durch Scheinangriffe in Schach zu halten und abzulenken, bis der herangekommene Jäger zum Schuss kommen konnte.

Hiermit wird klar, dass der Mythos um den Löwenjäger, als vermeintlich einen Löwen angreifenden Hund, schnell zum Tod des Hundes führte, und somit ins Reich der Fabeln zuzuordnen ist.

Vielmehr selektierte man gerade die Tiere nach Wesen, die eben mit Intelligenz vorgingen und somit ihr eigenes Überleben sicherten. Es waren die gefragten Charaktereigenschaften wie Mut, Intelligenz, Schnelligkeit und Wendigkeit, sowie die Fähigkeit diese Eigenschaften autark vom Jäger zu etablieren, bis dieser herangekommen war. Das Erscheinungsbild unseres heutigen Ridgebacks war damals noch diesen Eigenschaften untergeordnet. Die damaligen Hunde, mit der Fellformation des in entgegen gesetzter Fellrichtung wachsenden Fellstriches auf dem Rücken, waren unterschiedlichste Typen von Hunden, es einte sie jeweils nur der Ridge als phänotypisches Merkmal. Jedoch bald schon bemühten sich der Tierarzt Charles Robert Edmonds, Francis Barnes und andere Pioniere der Lion Dogs um deren Fortbestand, nachdem die Großwildjagd rückläufig war.

Die jagdlichen Fähigkeiten der ridgetragenden Hunde als Augenmerk, erarbeiteten Francis Barnes und seine Mitstreiter einen Rassestandart, den sie auf den Rassestandard des Dalamatiners aufbauten, der ja tatsächlich im Exterieur dem des Ridgebacks sehr ähnlich ist.

Wie auch heute schieden sich am Äußeren des Ridgebacks und seiner Zukunft früh die Geister. So legte Francis Barnes auf die charakterlichen, jagdlichen Eigenschaften des Lion Dogs mehr Wert, als auf die phänotypischen Erscheinungsmerkmale.

Jedoch konnte er sich mit seinen Vorstellungen gegen seine Mitstreiter, die mehr das Erscheinungsbild des Ridgebacks in den heutigen Typus etablieren wollten (und taten), nicht durchsetzen. Enttäuscht, dass man nach all seinem Tun um die Rasse, sich in den 30er Jahren mehr der Auffassung der Mashonaland Züchter anschloss, die eben mehr den phänotypischen Aspekt der Etablierung der Rasse in ihrer Zuchtselektion favorisierten, zog sich Barnes aus dem Zuchtgeschehen zurück. Er, der so für die Eintragung der Rasse bei der FCI und der SAKU gekämpft, und damit diesen Weg erst ermöglicht hatte. Dieser Umstand scheint auch für die heutigen Kontroversen der unterschiedlichen Ridgebackvereine nicht untypisch. Anzumerken sei aber noch, dass eventuell das Verfolgen von Barnes’ Zuchtziel um die Rasse als Lion Dog und Jäger vielleicht auch ihr alsbaldiges Ende wieder eingeläutet hätte, denn wo brauchte man im 20. Jahrhundert noch einen Großwildjäger? 

Wer mehr über diesen Teil der Entwicklung der Rasse nachlesen und spannende Stunden in Atemlosigkeit verbringen will, dem legen wir das Buch Rhodesian Ridgeback von Peter Obschernicat ans Herz, welches wunderbar geschrieben, spannend und toll recherchiert ist, neben all den anderen tollen Büchern die es über unsere Rasse gibt. Auch das Buch von Jochen Eberhardt ist mit seinen Erläuterungen zum Standard und die mit Herzblut geschriebenen Bücher von Stig Carlson sind empfehlenswert.

 

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